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Formel 1 - Qatar


Das Formel 1 Wochenende in Katar 2025 klang auf dem Papier nach dem perfekten Sturm. Sprintformat, vorletztes Rennwochenende, ein Titelkampf, der nach Drama riecht und die Aussicht, dass sich der neue Weltmeister vielleicht schon unter den Flutlichtern von Lusail krönt. Und dann passiert genau das, was im Sport schon so oft passiert ist: Die Geschichte, die man erwartet, wird von einer anderen Geschichte überholt. Verstappen bleibt der Fixstern, Norris verpasst die vorzeitige Krönung, McLaren produziert einen dieser (seltenen?) Fehler, die nicht einfach Punkte kosten, sondern eine ganze Saison erzählerisch verschieben. Und Antonelli gerät in eine Debatte, die größer wird als der Fahrfehler, der sie ausgelöst hat.


Schon im Vorfeld war klar, dass Lusail 2025 weniger Rennstrecke als Rechenaufgabe werden würde. Pirelli griff aus Sicherheits und Haltbarkeitsgründen spürbar in den Ablauf ein und setzte eine strikte Reifenbegrenzung durch, die dem Rennen seinen natürlichen Rhythmus nahm. Für den Grand Prix bedeutete das ein enges, quasi vorgegebenes Boxenstoppfenster. Ironischerweise hat aber gerade diese Statik dazu geführt, dass der WM Kampf am Ende nochmal richtig spannend wird. Die große Geschichte dieses Rennens spielte sich also weniger Rad an Rad ab, sondern im Kopf, auf den Timing Screens und an den Boxenmauern. Und was nach diesem Wochenende vor allem hängen blieb, war ein Satz, den man vielleicht nicht mehr so oft sagen wollte: Max Verstappen ist noch da.



Der gewann das Rennen, nachdem er sich bereits am Samstag die Pole Position gesichert hatte. Und er machte aus einem Grand Prix, zu dem McLaren als Favorit antrat, eine Lehrstunde in Opportunismus. Hinter ihm kamen Piastri auf Platz zwei und Carlos Sainz als Überraschung auf Platz drei ins Ziel. Norris landete „nur“ auf Platz vier und dieses „nur“ ist genau der Punkt. Denn es war nicht Pace, die ihm den großen Moment nahm, sondern ein einziger strategischer Augenblick, der sich im Rückblick wie eine offene Tür anfühlt, durch die McLaren einfach nicht gegangen ist.


Dieser Moment war das Safety Car in der frühen Rennphase. Während fast das gesamte Feld die Gelegenheit nutzte, unter neutralisierten Bedingungen zu stoppen und Zeit zu sparen, blieb McLaren draußen. Und zwar nicht nur mit einem, sondern mit gleich beiden Autos. Und plötzlich wurde aus „Norris kann heute Weltmeister werden“ ein „Norris muss es im Finale richten“.


Die zweite Kontroverse lieferte ausgerechnet eine Szene, die endlich einmal nach echter Rennsport Reibung aussah. Kimi Antonelli lag im Mercedes bis kurz vor Schluss vor Norris, wehrte sich, hielt dagegen und leistete sich dann auf der vorletzten Runde einen Fehler. Er ging in Kurve 10 beim Verteidigen weit und Norris nahm dankend Platz vier mit. Dass daraus anschließend Diskussionen wurden, ob Antonelli Norris „durchgelassen“ habe, sagt viel über die Stimmungslage in einem so engen Dreikampf. Wenn die Saison auf Messers Schneide steht, wird jeder Ausrutscher sofort politisch aufgeladen. Und manchmal fühlt sich das dann fast größer an als das Rennen selbst.


Lewis Hamilton äußerte sich nach dem Rennwochenende ebenfalls kritisch. Seine Kritik zielte nicht nur auf Katar als Strecke, sondern konkret auf die durch die Reifenbegrenzung erzwungene Statik. Es geht um die Frage, was ein Grand Prix eigentlich sein soll: ein Wettbewerb, der sich aus dem Zusammenspiel von Strecke, Auto, Reifen, Fahrer und Team entfaltet oder ein Event, das so stark reguliert werden muss, dass der Wettbewerb sich anfühlt wie eine kontrollierte Simulation.


Und damit stelle auch ich mir die Frage: Wenn eine Strecke so anspruchsvoll ist, dass die Reifen unter normalen Bedingungen nicht „halten“ und man deshalb künstlich in den Ablauf eingreifen muss, gehört sie dann wirklich in den Rennkalender? Oder anders gefragt: Ist das noch Motorsport, wenn man einen Teil des Motorsports präventiv wegregelt, damit es überhaupt funktioniert?


Natürlich ist die Antwort darauf nicht so einfach, wie sie vom Sofa aus klingt. Aber ich glaube was ich sagen will ist: Katar 2025 war spannend, aber nicht, weil die Strecke das beste Racing der Welt ermöglicht. Sondern wegen den Geschichten die das Rennwochenende abseits vom Racing erzählt hat. Und das ist einerseits faszinierend, andererseits ein bisschen beunruhigend. Denn ein Sprintwochenende im vorletzten Saisonrennen sollte nicht davon leben müssen, dass ein einziges verpasstes Boxenstoppfenster die Story rettet.


Katar bleibt für mich damit nicht nur aus moralischer Sicht umstritten, sondern es geht auch um die Frage der sportlichen Integrität. Und genau die beginnt dort zu wackeln, wo man eingreifen muss, damit der Wettbewerb überhaupt „normal“ stattfinden kann.


XOXO, Nina

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